Home 
 AGB 
Fr, 24. Juni 2016







Autochthone Trauben

Autochthone Trauben

Autochthone Trauben

Autochthon heißt so viel wie: bodenständig, eingeboren (Gegensatz, für Schlaumeier: allochthon). Autochthone Sorten gehören untrennbar zu ihren Gebieten.

 

Griechenland:

(Rot)

Agiorgitiko:

Die Sankt-Georgs-Rebe ist wohl die beste und ausgeprägteste Sorte Griechenlands, auch im sortenreinen Ausbau. Kirschig-würzig-saftige Rotweine mit relativ wenig Tannin. Wichtiger Bestandteil der Weine von Nemea (Peloponnes).

 

Agiorgitiko:

Benannt nach Agios Georgis, wie Nemea früher hieß, auch als St.-Georgs-Rebe bekannt. Eine der ältesten Sorten Griechenlands, elegant, beerenfruchtig und strukturiert bei angemessenen, nicht dominanten Tanninen; die klassische Sorte Nemeas und eine der edelsten Rotweinsorten des Landes, ergänzt auch gut Cabernet Sauvignon.

 

Krassato:

Eine der drei Sorten des Rapsani; ergibt sehr robuste Weine.

 

Limnio:

Könnte von der Insel Limnos stammen, wächst aber heute in Makedonien (Chalkidiki). Gute Konzentration mit Gerbstoffen und Würze; interessante Sorte.

 

Stavroto:

Neben Xynomavro und Krassato der "dritte Mann" bei den Weinen aus Rapsani; oft steht sie mit den Anderen im gemischten Satz im Weinberg; sortenrein wird sie nicht ausgebaut.

 

Xynomavro:

 

Der Name sagt schon, wie die Sorte schmeckt: "sauer" und "schwarz" bedeuten die beiden Wortkomponenten. Typische Aromen: Oliven, Tomaten; eigenständige, charaktervolle Sorte, die im Norden Griechenlands gedeiht (Naoussa ist reinsortiger Xynomavro, die Sorte prägt auch die Weine aus Goumenissa und Amyndeon), aber auch in Rapsani eine der drei prägenden Sorten ist; hoch interessante Rotweintraube. Betonen Sie das erste "o".

 

Athiri:

(weiß)

Erbringt saftige, fruchtige Weine mit milder Säure; reift spät. Typisch auf Rhodos, auch auf Santorini sowie in den Anbaugebieten im nördlichen Landesteil.

 

Malagousia:

Schmelzige, körperreiche Weine mit Aromen von Pfirsich, Birne und exotischen Früchten (Mango und Ananas...), dazu feine Würze; eine sehr alte, beinahe ausgestorbene Sorte, die vor einigen Jahrzehnten wiederentdeckt wurde und seitdem systematisch gepflegt wird. Eine der spannendsten Sorten aus Griechenland (Geheimtipp!), verbreitet in Nord- und Zentralgriechenland.

 

Robola:

Eine sehr alte Sorte, die auf den ionischen Inseln zu Hause ist; erbringt säurestarke, extraktreiche und saftige Weiße; eine der besten Weißweintrauben Griechenlands.

 

Italien:

(Rot)

Aglianico:

Besonders in der Basilicata und Kampanien verbreitete Rotweinsorte, kommt auch in Griechenland vor. Saftige, würzige Weine zur mediteranen Küche; Wein: Aglianico del Vulture DOC.

 

Barbera:

Im Piemont heimisch und dort in zwei DOCs (Alba und Asti) eingeteilt. Wächst auch in der Emilia-Romagna und der Lombardei. Barbera ist säurereich und schmeckt oft nach Brombeeren und Sauerkirschen. Neuerdings auch in Übersee im Anbau.

 

Dolcetto:

Verhält sich zum Nebbiolo, der großen Rotweinrebe des Piemont, wie der Beaujolais zum Bordeaux, ist also leichter, fruchtbetonter (die echte Piemont-Kirsche!) und tanninärmer. Ein angenehmer Wein für den Alltag. Der Name heißt so viel wie „kleiner Süßer“.

 

Lagrein:

Südtiroler, auch Trentiner Spezialität, ein violettfarbener, markant pflanzlich-würziger Rotwein (auch als Rosé ausgebaut, dann Kretzer genannt) zur deftigen Speck-Küche.

 

Marzemino:

Klassikfans wissen: Marzemino wurde von Mozart erwähnt („Eccellente Marzemino“ singt „Don Giovanni“, bevor der Komtur reinkommt). Die Rebsorte gedeiht im Trentino. Die Weine sind saftig (Sauerkirsch), säurefrisch und eher leicht.

 

Negroamaro:

Schwarz & bitter – diese Rebe hat einen interessanten Namen. Sie kommt besonders in Apulien vor; dunkel und kräuterwürzig. Wein: Salice Salentino DOC.

 

Neor d’Avola:

Ihre Heimat ist Sizilien (obwohl einer ihrer Namen Calabrese lautet). Cassis und Pflaumen mit einer Prise Pfeffer bei mittlerem Volumen, begleitet die süditalienische Fleischküche bestens.

 

(Weiß)

Arneis:

In Piemont zu finden (Roero und Langhe) ein gelbfruchtig-saftiger Wein mit zarter Zitrusnote zum Essen. Der Name Barolo Bianco deutet darauf hin, dass früher etwas Arneis im Barolo stecken konnte. Außerhalb Piemonts selten anzutreffen (Australien).

 

Ribolla Gialla:

Diese Weißweinsorte wächst in Friaul-Julisch Venetien; zitronig frische, appetitliche Weine mit guter Säure; der Hit zu feinem Parmaschinken.

 

Spanien:

Albarino:

Zartfruchtige, recht säurereiche Weißweinsorte aus Nordwestspanien (Rias Baixas) und Nordportugal (Vinho Verde; heißt dort Alvarinho). Reinsortig sind sie dem Riesling nicht unähnlich.

 

Frankreich:

Aligoté:

Weißweinsorte im Burgund, der einfache, säurefrische Alltagswein. Wird traditionell mit Crème de Cassis zum Apéritif Kir gemischt. Auch in Osteuropa verbreitet.

 

Schweiz:

Petite Arvine:

Spezialität aus dem Wallis, auch im italienischen Valle D’Aosta. Trockene, mineralisch-erdige Weine, auch sehr gute Süßweine!

 

Österreich:

Rotgipfler:

Klingt nicht nach einem Weißwein, ist aber einer (die Beeren sind rötlich). Die Sorte kommt fast nur in der Thermenregion vor und erbringt kräftige Weine mit viel Würze.

 

An der Schwelle zum Mainstream

Mache dieser Sorten zählen nur in wenigen Gebieten zum klassischen „Inventar“, sind aber keine internationale Stars.

 

Auxerrois:

Hier meinen wir nicht Malbec, der in Cahors Auxerrois heißt, sondern die zur Burgunderfamilie gehörende Weißweinrebe. Sie gedeiht in Baden, aber auch in Rheinhessen und in der Pfalz, außerdem in Frankreich (Elsass, dort oft im Crémant; Champagner) sowie Luxemburg.

 

Cabernet Franc:

Was, das soll kein Mainstream sein? Ist doch in fast jedem Bordeaux drin! Aber sortenrein ist der Cabernet Franc selten. Zu finden an der Loire (fast alle Rotwein-AOCs wie Chinon, Bourgueil usw.) kaum außerhalb Frankreichs.

 

Carmenère:

Sortenrein wird diese Rotweinsorte seit noch gar nicht so langer Zeit in Chile ausgebaut, wo sie genetisch identifiziert wurde, nachdem sie Jahrzehnte für Merlot gehalten worden war. Inzwischen ist Carmenère die typische Rebsorte Chiles. Carmenère stammt aus dem Bordelais, wo sie zugelassen, aber wenig verbreitet ist.

 

Chenin Blanc:

Interessante Sorte, aus der viele Loire-Weißweine gekeltert werden, etwa der berühmte Coulée de Serrant oder der Vouvray. Erdig-zitrusfrisch und etwas gewöhnungsbedürftig, sehr lagerfähig, zum Versekten gut geeignet (Crémant der Loire). In Südafrika als „Steen“ bekannt. Man findet Chenin auch in Australien.

 

Dornfelder:

Was hat der Rotweinhit der vergangenen Jahre in einer Liste von ungewöhnlichen Weinen zu suchen? Erstens ist die Neuzüchtung aus Heroldrebe und Helfensteiner nur in Deutschland bekannt – erzählen Sie mal einem Franzosen oder Australier was von Dornfelder! Zweitens gibt es solche und solche. Im Barrique ausgebaut ist Dornfelder durchaus nicht geläufig.

 

Frühburgunder:

An sich ist dies nur eine Mutation des Spätburgunders, die, wie der Name sagt, früher reift. An der Ahr ergibt sie ansprechende, saftige Rotweine im Pinot-Stil.

 

Gamay:

Die Rebe des Beaujolais: kirschig, tanninarm, saftig. Aber wer die Beaujolaiscrus kennt, weiß, dass Gamay mehr kann als „Primeur“. Dann hat sie mehrere Jahre Lagerpotential. Auch an der Loire ist Gamay zu Hause. Unschlagbar als Speisenbegleiter.

 

Grauburgunder:

Freilich ist „Pinot Grigio“ ein Mainstream-Wein für Schickimicki-Bistro-Gäste. Aber ein deutscher Grauburgunder? Die Leute ärgern sich ja gerade darüber, dass der kein Mainstream-Wein ist! Und richtig guter Pinot Grigio oder Grauburgunder hat mit dem Massenwein gleichen Namens nicht viel zu tun. Auch im Barriqueausbau und als breiter, restsüßer „Ruländer“ in Baden (Kaiserstuhl) vorkommend, schafft er es dort bis zum großen Gewächs; außerdem in fast allen deutschen Anbaugebieten, Österreich, Elsass (dort auch Grand Cru als „Tokay Gris“); Norditalien (Friaul, Veneto, Trentino…) auch Neue Welt. In Ungarn klingt die Sorte intellektuell: Szürkebarat (Grauer Mönch). Was ist dagegen „Pino gritscho?“

 

 

Grenache:

Neben Carignan, Cinsault und Syrah die bedeutendste Rebe der mediterranen Region (südliche Rhone, dort nur als Cuvée, etwa im Chateauneuf-du-Pape) bis Spanien, wo wohl ihre Herkunft liegt. Dort heißt sie Garnacha (tinta). Selten sortenrein, aber in Sardinien als Cannonao di Sardegna ein kraftvoller Roter. Es gibt auch eine weiße Spielart.

 

Gutedel:

In Deutschland findet man die frischen, saftigen Weißweine hauptsächlich im Markgräflerland. In der Schweiz ist der Gutedel als Chasselas oder Fendant (im Wallis) bekannt und die wichtigste Rebsorte. Er wird dort mit durch biologischen Säureabbau gezähmter Säure vinifiziert. Der Begleiter zum Käsefondue! Auch in Savoyen und an der Loire vorkommend.

 

Lemberger/Blaufränkisch:

Württemberger Mainstream, aber sonst fast nur noch in Österreich verbreitet. Kann vom Schlotzweinchen bis zum kräftigen Barriqueheimer alles. In Ungarn Kékfrankos genannt.

 

Malbec:

Alte Bordeaux-Rebe, aber dort seit der Frostkatastrophe 1956 kaum noch zu finden, dafür in Argentinien zu ungeahnten Höhen gekommen, würzig-kräftig, tiefdunkel, mit dem richtigen Schuss Tannin. Auch in anderen Überseeländern an- und dort (selten) sortenrein ausgebaut. Kommt aber noch anderswo in Frankreich vor und heißt dort Cot: nämlich an der Loire (wussten Sie das?) und besonders in Cahors (kleine Appellation in Südwestfrankreich). Alles andere als Mainstream – und sehr lecker obendrein!

 

Nebbiolo:

Klar, der aus Nebbiolo gekelterte Barolo DOCG ist schon aufgrund seines hohen Preises kein Mainstream. Nebbiolo ist typisch für das nebelreiche Piemont, außer Barolo wird Barbaresco sowie DOC Nebbiolo Langhe daraus erzeugt. Tanninstark, sehr lagerungsfähig, kraftvoll und doch elegant. Selten und absolut Non-Mainstream: die Weine des Valtellina (z. B. Sforzato). Eine Unterzone des Valtellina heißt „Inferno“. Teuflisch gut!

 

Primitivo/Zinfandel:

In Kalifornien Kult, aber nur dort: Die Zinfandelrebe, um 1850 nach Kalifornien gebracht, ist eine alte Europäerin, identisch mit dem Primitivo (Apulien) und der kroatischen Plavac Mali. Brombeersaftig-würzig (Pfeffer, Kräuter), hat Primitivo alias Zinfandel viele Talente. Kalifornische „Zins“ sind wuchtige Barbecue- und Texmex-Begleiter.

 

Sangiovese:

Was den Spaniern der Temprenillo, ist den Italienern der Sangiovese. Klassischer Haupt-Cuvéepartner im Chianti und Chianti Classico DOCG. Vermehrt als Sortenreiner, auch in Kalifornien, Australien oder anderswo. Eigenständige Sangiovese-DOCs: Vino Nobile di Montepulciano (ein Klon namens Prugnolo gentile), Brunello di Montalcino, Morellino di Scansano. Der Name bedeutet „Blut des Jupiter“.

 

Schwarzriesling:

Irreführender kann kein Name sein. Es handelt sich um keinen Riesling, geschweige denn um eine Weißweinsorte, sondern um eine Verwandte des Pinot. In der Champagne heißt der Schwarzriesling Pinot Meunier, Müller-Pinot. Das liegt an den weißen Härchen an der Blattunterseite, die die Blätter „mehlig“ erscheinen lassen. Wer diesen Rotwein sortenrein probieren will, geht am besten nach Deutschland (Württemberg). Eine Mutation ohne Härchen heißt Samtrot.

 

Silvaner:

Eine der ältesten Rebsorten und mit ungeklärter Herkunft, ein seriöser Begleiter zu Fisch, Spargel, und Gemüse. Die großen Gewächse aus Franken, wo der fränkisch trockene Silvaner Mainstream-Status hat. Maßgeblich auch: Rheinhessen! Nicht vergessen: Elsass! Dort und in der Schweiz heißt die Sorte Sylvaner mit Ypsilon.

 

St. Laurent

Wir sagen: Das konnte ein richtiger deutscher Rotweintyp werden. Ähnlich saftig-fruchtig-brombeerig wie der Dornfelder, aber eine Spur mehr Struktur und Kraft. In Österreich längst etabliert. Auch in Tschechien vorkommend.

 

Tannat:

Rotweine von fast schwarzer Farbe und von starker Tanninprägung - wie der Name suggeriert – erbringt die alte Sorte im französischen Madiran, aber heute ist sie in Frankreich fast ausgestorben. Dafür lassen die Tannat-Weine aus Uruguay aufhorchen!

 

Tempranillo:

Die spanische Edelrebe ist in Spanien naturgemäß Mainstream. Gewöhnlich meist mit Cuvée-Partnern (Garnacha) ausgebaut; tanninstark und lagerungsfähig. Sortenreine Tempranillos gibt es auch in Kalifornien und Australien. In Portugal „Tinta Roriz“.

 

Trollinger:

Na klar, Württembergs Schlotzwein! Aber als Vernatsch ist diese Rebe auch in Südtirol beheimatet (wenn man genau hinguckt: Tirollinger!) und liefert dort den bekannten Kalterersee. Weiche, tanninarme Weine. Anderer Name in Italien: Schiava.

 

Viognier:

Bei uns noch nicht trendy, da wenig verbreitet. Eine nussig-erdig schmeckende, fruchtige Rebe, die nur an der Rhone eigene AOCs hat (Condrieu, St-Joseph, Chateau Grillet – 3,5 Hektar eine der kleinsten AOCs mit nur einem Erzeuger!). Auch als Vin de Pays zu finden, außerdem in Australien und Kalifornien angebaut, neuerdings auch in Deutschland. Sehr guter Speisebegleiter.

 

Weißburgunder:

Obwohl bei uns verbreitet, hat es die Burgundersorte noch nicht zum großen Durchbruch gebracht. Mit der den Pinot-Sorten eigenen Fülle und gut bekömmlichen Säure ist Weißburgunder ideal zum Essen... und Versekten! Top-Tipp: Baden (Kaiserstuhl), südliche Pfalz, dort auch große Gewächse mit und ohne Barrique-Ausbau. Maßgeblich auch: Norditalien (Trention, Friaul ...), Österreich (Steiermark). Pinot Blanc wächst auch im Elsass.

 

Welschriesling:

Österreich – besonders die Steiermark – und Slowenien (Laszki Rizling) sind die Heimat dieser mit dem Riesling nicht verwandten Sorte. Grün-frischer, rescher Erfrischungswein, gerade recht für den Sommer!

 

Zweigelt:

Unser roter Liebling aus Österreich ist die Neuzüchtung von Professor Zweigelt aus Blaufränkisch und Sankt Laurent. Auch in Deutschland gibt es ein wenig Zweigelt.

 

 


Druckversion
last update: 14.05.2009   zurück  nach oben  www.autochtone-weine.de / Impressum